22.07.2009

Leserbrief zum Artikel " Anstieg von häuslicher Gewalt" im KStA vom 21.07.09

von Agnes Niclasen.


Es ist ja sehr erfreulich, dass immer mehr von häuslicher Gewalt betroffene Frauen den Mut finden, ihren Peiniger anzuzeigen. Doch ist es damit nicht getan. Im Anschluss daran müssten Opfer - und Täter (!)- ausreichende Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten vorfinden, um ihre Situation bewältigen zu können. Aber daran mangelt es leider enorm!
Innenminister Wolf und Frauenminister Laschet brüsten sich mit den zahlreichen Beratungsangeboten in NRW. Die Erfahrungen "vor Ort" zeigen aber ein anderes Bild!

Die in Brühl ansässige Ehe- und Familienberatungsstelle, die einzige Beratungsstelle dieser Art hier, beklagt seit Jahren einen steigenden Beratungsdruck, bei nachlassender finanzieller Unterstützung. Die Stadt Brühl hat seit 2006 ihre jährliche Finanzspritze mit dem Hinweis auf die knappen städtischen Kassen komplett eingestellt. Versuche aus der Politik, die Gelder wieder fließen zu lassen, scheiterten am Zuständigkeitsgerangel. Ich gehe davon aus, dass dies in vielen anderen Kommunen genauso abläuft.

Die Leidtragenden sind die Betroffenen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Beratungsstellen und letztendlich "die Gesellschaft".
Denn die muss die Folgekosten wie Verarmung durch Trennung, verhaltensauffällige Kinder, kriminelle Jugendliche usw. übernehmen.
Eine sofortige und intensive Betreuung aller Betroffenen würde die negativen volkswirtschaftlichen Kosten verringern. Aber leider denken die verantwortlichen Politiker im Land und auch in der Kommune viel zu kurz und verschließen sich solchen Argumenten.

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