Mobilität

Klimafreundliche Mobilität für Brühls Zukunft

Um insbesondere die Klimaziele zu erreichen, besteht gerade im Verkehrsbereich erheblicher Handlungsbedarf.  Die rot-grüne Koalition setzt die kommunale Mobilitätswende konsequent um. Wir wollen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, mit sauberer Luft und weniger Lärm die Gesundheit schützen, Flächen effizienter verteilen und attraktive Bedingungen für den Brühler Einzelhandel schaffen. Mit mehr Platz für Fuß- und Radverkehr sowie mehr und besser bezahlbaren Bus- und Sharing-Angeboten steigern wir die Lebensqualität für die Menschen in Brühl.

Wir werden entschlossene und gut koordinierte Maßnahmen ergreifen. Diese können jedoch nur realisiert werden, wenn in den Transformationsprozess die Bevölkerung und die verschiedenen Interessengruppen eingebunden werden.

Die Mobilitätswende beginnt mit einem neuen Verständnis von Mobilität und Verkehr. Zu Fuß, mit dem Rad, mit Bus und Bahn – Brühl braucht Verkehrskonzepte, die nicht nur in Auto-Kategorien denken. Gemäß dem Leitsatz »Mobilität erhalten, Verkehr reduzieren« müssen Maßnahmen aus dem Bereich der Verkehrsvermeidung, der Verkehrsverlagerung und der verträglichen Abwicklung von Verkehren mit dem zukunftsweisenden Handlungsansatz des Mobilitätsmanagements verknüpft werden.

Eine wesentliche Rahmenbedingung ist die Einführung des Mobilitätsmanagements in die integrierte Verkehrsplanung. Mobilitätsmanagement muss vollwertig neben dem Verkehrs- und Infrastrukturmanagement in der Verwaltung institutionalisiert werden. Wir werden dafür Sorge tragen, dass die Verwaltung diesen Ansatz integriert.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Kommunalpolitik und Verwaltung

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Gestaltung der Mobilitätswende ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Politik und der Verwaltung. Es ist unsere Aufgabe als Politik, die Rahmenbedingungen für die Mobilitätswende zu setzen. Die Kommunalverwaltung hat die Aufgabe, die dazugehörigen Fachpläne zu erstellen und umzusetzen.

  • Wir werden bei der Umsetzung der Mobilitätswende dafür Sorge tragen, dass die Verwaltung diese Aufgabe mit ausreichenden personellen und finanziellen Ressourcen erledigen kann.
  • Für die erfolgreiche Umsetzung des Kommunalen Mobilitätsmanagements braucht es eine zentrale Gesamtkoordination, die Prozesse anstößt, zwischen den verschiedenen Fachbereichen vermittelt und bei gemeinsamen Projekten die Teilschritte abstimmt: die Mobilitätsmanagerı⃰n.
  • In einer Organisationseinheit (Fachbereich oder Stabsstelle) sind die wesentlichen Handlungsfelder einer nachhaltigen Mobilitätsentwicklung zusammenzufassen. Die Organisationseinheit ist mit ausreichenden Personalressourcen auszustatten. Dies soll durch interne Umschichtungen von vorhandenem Personal und ggf. Neueinstellungen (z. B. Verkehrsingenieurı⃰n) erfolgen.
  • Um die Ziele der Mobilitätswende zu erreichen, zeitnah zu planen und Projekte zu realisieren, müssen die Planungskapazitäten in der Verwaltung für die Verkehrsmittel im Umweltverbund erhöht und der Ansatz des Mobilitätsmanagements realisiert werden. Wesentlich ist hierbei der strategische Ansatz des kommunalen Mobilitätsmanagements (s. o.).
  • Bevor ein neues Mobilitätskonzept in Auftrag gegeben wird, gilt es, die bisherigen Beschlüsse zu Verkehr und Mobilität in einer Synopse zusammenzutragen. Diese Zusammenstellung ist ggf. die Grundlage für die Erstellung eines kommunalen Mobilitätskonzeptes.
  • Zudem werden wir gemeinsam mit der Verwaltung zu verschiedenen Themen der Mobilitätswende Formate für einen Wissenstransfer durchführen (z. B. Workshops, Exkursionen, interfraktioneller Arbeitskreis). Politik und Verwaltung machen sich hier insbesondere die Beratung und Erfahrung des Zukunftsnetzes Mobilität NRW und der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW zunutze, deren Mitglied die Stadt Brühl seit deren Gründung ist.

Die Stadtwerke als moderner Mobilitätsdienstleister

Die Mobilitätswende braucht ein starkes kommunales Verkehrsunternehmen. Es gilt, die Stadtwerke zu einem modernen Mobilitätsdienstleister auszubauen. Dazu gehören z. B. die Organisation und Abwicklung von Sharing-Systemen sowie die Umsetzung einer Marketingstrategie für die Mobilitätswende.

Laut ÖPNV-Gesetz NRW ist die Stadt Brühl Aufgabenträgerin für das Stadtbussystem. Die Zusammenarbeit zwischen dem Rat, der Stadtverwaltung und den Stadtwerken ist auf dieser Grundlage zu gestalten. Das bedeutet konkret, dass die Stadt Brühl für die Planung, Organisation und Ausgestaltung des Stadtbussystems zuständig ist und hierzu die Stadtverwaltung die notwendigen Ressourcen vorhält. Die Stadtwerke werden verpflichtet, regelmäßig im Ausschuss für Verkehr und Mobilität zu berichten.

Kommunikation für mehr Akzeptanz

Die Entwicklung einer Kommunikationsstrategie zur Mobilitätswende soll Rückmeldungen der Bürgerı⃰nnen aufnehmen, die Akzeptanz der Maßnahmen in Bevölkerung und Wirtschaft erhöhen und Entscheiderı⃰nnen und Planungsbehörden dabei unterstützen, die unterschiedlichen Maßnahmen umzusetzen. Wir werden für die Entwicklung eines Zukunftsbildes und einer daraus abgeleiteten Marketingstrategie die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen. Als Orientierung dient der Schlüssel 5 € jährlich pro Einwohnerı⃰n.

Verkehrssicherheit für Kinder stärken

Wir wollen den Verkehr sicherer machen – geleitet von der Vision Zero des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), also null Verkehrstote und Verletzte in Brühl. Dabei wollen wir besonders auf die Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr achten. Hierfür soll insbesondere die Arbeit der Kinderunfallkommission gestärkt werden.

  • Für Kinder müssen die Schulwege so sicher sein, dass sie sie ohne Ängste zu Fuß bewältigen können.
  • Verkehrschaos durch Elterntaxis vor den Schulen gefährden unsere Kinder. Wir werden dafür Sorge tragen, dass die Schulen bei der Umsetzung eines schulischen Mobilitätsmanagements durch die Stadtverwaltung konsequent unterstützt werden. Dazu gehören z. B. Angebote wie »Geh-Spaß statt Elterntaxi« (Dreiklang: Mobilitätsbildung, Elternhaltestelle, Stadtteilspaziergänge mit Kindern) und Fahrradsicherheitschecks.
  • Vor den Schulen muss das Parken unterbunden werden, damit unsere Kinder hier Übersicht und Orientierung gewinnen. Vor Kitas und Schulen muss die Geschwindigkeit während der Hol- und Bringzeiten, soweit rechtlich möglich, auf Schritttempo reduziert werden.
  • Wir werden insbesondere Kinder und Jugendliche als Generation der Zukunft an kommunalen Planungsvorhaben beteiligen. Die jungen Menschen können so mit ihrer Perspektive neue Impulse für eine zukunftsfähige Mobilität in Brühl geben und gleichzeitig an kommunale Prozesse und Politik herangeführt werden.

Zu Fuß im öffentlichen Raum

Zu Fuß unterwegs zu sein ist die einfachste Möglichkeit, mobil zu sein. Wir stärken das Zufußgehen besonders durch eine größere Anzahl von Zebrastreifen, breitere Gehwege und längere Grünphasen an Ampeln. Gerade Kindern, alten und mobilitätseingeschränkten Menschen muss genug Zeit gegeben werden, Straßen sicher zu überqueren.

  • Von jedem Stadtteil sind attraktive Fußwegeverbindungen in die Innenstadt zu gestalten.
  • Die Planungselemente der bespielbaren und besitzbaren Stadt werden wir konsequent fortsetzen und auf alle Stadtteile ausweiten.
  • Für sichere Fußwege müssen wir die Kfz-Geschwindigkeiten verringern. In der Innenstadt und in den Wohngebieten der Brühler Vororte fordern wir durchgehend eine Begrenzung auf 30 km/h. Dort, wo es uns rechtlich möglich ist, werden wir dies zügig umsetzen. Im Übrigen werden wir uns dafür einsetzen, dass zur Sicherheit der Fußgängerı⃰nnen und unserer Kinder die verkehrsberuhigten Zonen mit straßenbaulichen und anderen Maßnahmen zur Verringerung der Fahrgeschwindigkeiten ausgestattet werden.
  • Stadtteilkonzepte werden entwickelt mit Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, autofreien öffentlichen Plätzen, verkehrsberuhigten Bereichen und Shared Spaces (Bereichen, in denen alle Verkehrsteilnehmerı⃰nnen gleichberechtigt sind). Jedes Jahr wollen wir gemeinsam mit der Bürgerschaft Plätze und Straßenräume dauerhaft lebenswerter gestalten. Insbesondere gilt es hier, die Belange von Kindern zu berücksichtigen (Spielorte, Platz fürs Radfahren).
  • Die Durchführung der WEPAG-Autoshow »Mobiles Brühl« in der Fußgängerzone ist in der bisherigen Form nicht mehr zeitgemäß. Die Verwaltung wird angehalten, das Zurschaustellen von Autos auf dem Markt nur noch für Autos mit alternativen Antriebskonzepten zu genehmigen, während Autos mit fossilen Antrieben nur noch auf benachbarten Parkplätzen ausgestellt werden können. Ansonsten soll der Markt während der Veranstaltung »Mobiles Brühl« dem Umweltverbund (z. B. Stadtbus, Fahrradhändler) und Sharingdienstleistern des Mobilitätssektors vorbehalten sein.

Brühl – die ideale Fahrradstadt

Wir werden Brühl weiter zu einer fahrradfreundlichen Stadt ausbauen. Dies schaffen wir aber nur, wenn wir auch unsere Straßen baulich für den Radverkehr verändern und zusätzliche Fahrradstraßen und Fahrradzonen schaffen.

  • Basierend auf dem bereits beschlossenen Masterplan Rad werden wir einen Umsetzungsplan entwickeln, um ein leistungsfähiges und durchgängiges Radverkehrsnetz zu schaffen, das alle Stadtbezirke und Orte des öffentlichen Lebens verbindet. Die vorhandenen Radwege werden wir konsequent sanieren und entsprechend den wachsenden Anforderungen des Radverkehrs ausrichten.
  • Für Problemstellen (z. B. die Überquerung an der Haltestelle Brühl Süd, die Bahnunterführung an der Rheinstraße oder die Durchquerung des Vochemer Industriegebiets) werden wir konsequente Lösungen suchen.
  • Es sollen überall dort, wo PKW und LKW schneller als 30 km/h fahren dürfen und es räumlich möglich ist, farblich abgesetzte Radwege mit dem Ziel einer Mindestbreite von 2,30 m und einer ganzjährigen Nutzbarkeit geschaffen werden. Dies soll nicht zulasten von Flächen für Fußgängerı⃰nnen und den Öffentlichen Verkehr oder des Stadtgrüns gehen.
  • Vorrang für das Fahrrad heißt auch, dass wir getrennte Grünphasen für den Radverkehr einrichten und Radfahrerı⃰nnen Kreuzungen ohne gleichzeitigen Autoverkehr passieren können.
  • Um die Nutzung von Fahrrädern noch attraktiver zu machen, müssen auch ausreichend sichere Abstellmöglichkeiten geschaffen werden – mit dem massiven Ausbau von Bike+Ride (Abstellanlagen und Fahrradparkhäuser an den Stadtbahn-Haltestellen), Rad- und Lastenrad-Verleihsystemen und Fahrradabstellmöglichkeiten im öffentlichen Raum.
  • Der überregionale Radverkehr mit schnellen und sicheren Verbindungen zwischen Köln und Bonn, aber auch zu den anderen Brühler Nachbarstädten, z. B. nach Wesseling, muss besser gefördert werden. Wir werden dazu völlig neue Strecken schaffen, die ausschließlich als Radschnellwege dienen. Es ist Aufgabe der Stadtverwaltung, hierzu die notwendigen Abstimmungen mit den Nachbarkommunen vorzunehmen (z. B. auch mit Hürth für den Anschluss an den geplanten Radschnellweg Fischenich–Köln).
  • Damit Kinder genügend Raum zum sicheren Fahrradtraining haben, ist auf öffentlichen Plätzen Mobiliar für »Fahrradparcours« einzurichten.
  • Der Brühler Einzelhandel wird unterstützt, indem wir das während des Lockdowns zum Teil bereits erprobte Modell des Fahrradlieferservice weiter fördern.
  • Die jährliche Aktion »Stadtradeln« wird weiterhin aktiv unterstützt.

Bus & Bahn ausbauen

Ein fahrgastorientierter, flexibler und kostengünstiger ÖPNV ist ein wesentliches Element der Mobilitätswende. Dies bedeutet höhere Takte und Beschleunigungsmaßnahmen. Ein dichtes und barrierefreies ÖPNV-Angebot ermöglicht allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe am öffentlichen Leben und die Erfüllung ihrer Mobilitätswünsche. Stadtbusse und On-Demand-Verkehre sollen alle Stadtteile für die Bürgerı⃰nnen erschließen. Die Verbindung in die Nachbarstädte muss durch schnelle und häufig verkehrende Regionalbusse, Schnellbuslinien, Stadtbahnen und Züge sichergestellt werden.

Brühl ist Aufgabenträger für den Stadtbus. Dies gilt es zu erhalten, damit die Planung auch weiterhin in städtischer Hoheit bleibt. Im Einzelnen planen wir für den Stadtbus:

  • Lücken im Stadtbusnetz müssen beseitigt werden.
  • Die Bahnhöfe, das BTV-Sportzentrum und die Hochschulen des Bundes werden mit weiteren Linien in das Stadtbussystem eingebunden.
  • Eine weitere Stadtbus-Linie soll in den Brühler Süden geführt werden.
  • Buslinien durch den Brühler Süden sollen an die Brühler Bahnhöfe angebunden werden.
  • Das Kierberger Oberdorf wird an die Linie 701 angebunden.
  • Eine Verdichtung des Stadtbusangebotes auf einen 20-Minuten-Takt wird angestrebt.
  • Die ÖPNV-Erreichbarkeit abends, nachts und am Wochenende muss weiter verbessert werden, unter anderem durch ein modernes On-Demand-System.
  • Auch die noch nicht modernisierten Stadtbushaltestellen sollen barrierefrei umgebaut und begrünt werden.
  • Der Busverkehr erhält Vorfahrt durch intelligente Ampelschaltungen und, wo es möglich ist, durch spezielle Fahrspuren.
  • Eine Renovierung der Haltestelleninfrastruktur wird realisiert durch ihre Ausstattung mit elektronischen Fahrgastinformationsanzeigern, den Ausbau von sicheren Rad-Abstell-Anlagen und Warte­häus­chen ohne Fremdwerbung.
  • Ein 10-min-Takt der Linie 18 in Richtung Bonn wird unterstützt.
  • Wir wollen, dass eine Stadtbahnverbindung Brühl–Wesseling–Köln geschaffen wird. Die Voraussetzungen sind teilweise durch die ehemalige Linie 19 schon vorhanden.  Hieran wollen wir anknüpfen: Die sogenannte »Querbahn« zwischen Brühl und Wesseling soll künftig für den regulären Stadtbahnbetrieb genutzt werden. Die derzeit in Sürth endende Linie 17 muss so bald wie möglich über Wesseling mit Haltestellen in Berzdorf und Brühl-Ost bis nach Brühl geführt werden. Die in Köln geplante Verlängerung der Stadtbahn nach Rondorf und Meschenich kann weiter nach Berzdorf und von dort über die »Querbahn« auch nach Brühl geführt werden.
  • Einfache und klare Tarifsysteme müssen das Ziel im ÖPNV sein. Wir werden die Stadtwerke damit beauftragen, sich in den Gremien des VRS für diese Entwicklung einzusetzen und im Ausschuss für Verkehr und Mobilität über den Fortgang der Tarifentwicklung beim VRS zu berichten.
  • Wir werden uns für kostengünstigere Fahrpreise einsetzen und behalten das langfristige Ziel eines kostenlosen ÖPNV im Blick. In Anbetracht der Tatsache, dass die Städte, die ein kostenloses oder preisgünstiges Ticket (z. B. 365-Euro-Ticket) eingeführt haben, zunächst massiv den ÖPNV ausgebaut haben und dies über eine Nutznießerfinanzierung (d. h. mit Beteiligung von Dritten, welche vom ÖPNV profitieren, an dessen Kosten) ermöglicht haben, gilt es hierfür für Brühl als ersten Schritt zunächst den ÖPNV auszubauen.
  • Die Stadt führt ein Neubürgerı⃰nnenticket mit ein und lädt neu hierhergezogene Bürgerı⃰nnen damit vom ersten Tag ein, klimaschonend mobil zu sein.
  • Auch im Rahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements setzen sich Stadt und Stadtwerke gemeinsam für die Gewinnung weiterer Kundı⃰nnen ein, indem z. B. Jobtickets bei einzelnen Arbeitgebern oder in Gewerbegebieten vertrieben werden.
  • Wir werden die Stadtwerke damit beauftragen, bis Ende 2021 ein Finanzierungskonzept für mögliche Preissenkungen bei bestimmten Ticketarten zu erstellen und dabei mögliche Nutznießerfinanzierungen zu berücksichtigen.

Stadtweites Mobilstationen-Netz

  • Neben Bahnhöfen und Haltestellen soll es in jedem Stadtteil mindestens eine Mobilstation mit Sharing-Angeboten geben, die die verschiedenen Verkehrsmittel miteinander vernetzt. Hierfür können Kfz-Stellplätze in reservierte Stellplätze für (stationäres) Sharing umgewidmet werden.
  • Wir initiieren in einem Modellwohngebiet (Neubau oder Bestand) eine Möglichkeit zum nachbarschaftlichen Fahrzeugeteilen. Hierbei kann die Stadt bzw. können die Stadtwerke einer interessierten Nachbarschaft Starthilfe für das Teilen vorhandener Fahrzeuge und die Einbeziehung von E‑Lastenrädern und anderen klimaschonenden Fahrzeugen geben.

Stadt der kurzen Wege

Brühl ist die Stadt der kurzen Wege. Um dieses Motto mit Leben zu füllen, bedarf es einer integrierten Stadt- und Verkehrsplanung. Wir prüfen den Ansatz der »15-Minuten-Stadt«. Dieser stellt eine Konkretisierung bzw. Weiterentwicklung des städtebaulichen Leitbilds der »Stadt der kurzen Wege« mit einer spezifischen Zielsetzung für die Nahmobilität dar.

Autoverkehr

Wir wollen mit unseren Maßnahmen attraktive Alternativen zur Autonutzung schaffen. Wir sind uns aber bewusst, dass nur durch das Zusammenspiel von Push- und Pull-Maßnahmen die notwendigen Effekte erzielt werden. Das bedeutet auch die Umverteilung des Straßenraums zugunsten von Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr sowie von städtebaulich attraktiven Aufenthaltsmöglichkeiten. Ohne dies wird die Mobilitätswende nicht gelingen.

  • Ziel ist, dass 70 % der Wege (sog. Modal Split für den Gesamtverkehr) durch den Umweltverbund (ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß) zurückgelegt werden. Dazu ist ein Stufenplan mit regelmäßiger Evaluation notwendig.
  • Wir streben an, die weitgehend autofreie Innenstadt (kein Autoverkehr für Private außer für Anwohnende und Mobilitätseingeschränkte – Ausnahmen für Busse, Taxis, Geschäfts-, Liefer- und Baustellenverkehr) sukzessive bis 2025 bei gleichzeitigem Aufbau des Umweltverbundes zu verwirklichen. In hoch belasteten Straßen wie der nördlichen Kölnstraße, die als Zufahrt zum Belvedere-Parkplatz dient, sollen die Lebensqualität für die Anwohnerı⃰nnen und die Attraktivität für den Einzelhandel erhöht werden. Dies soll in einem ersten Schritt versuchsweise unter Einbeziehung der Brühler Bürgerı⃰nnen und der vor Ort betroffenen Geschäftsleute umgesetzt werden. Dabei muss die Erreichbarkeit des Brühler Einzelhandels gewährleistet bleiben.
  • Öffentliche Parkplätze werden schrittweise in anderweitige Flächen zur Verbesserung der Mobilität und Aufenthaltsqualität (z. B. Radabstellanlagen, Grünflächen, Carsharing-Stationen, Sitz- und Spielgelegenheiten) umgewandelt (mindestens 2 % pro Jahr). Das Parkraummanagement wird ausgebaut und die Stellplatzsatzung mit dem Ziel eines geringeren Flächenverbrauchs reformiert. Insbesondere ist im Zusammenhang mit der Überplanung des Kaufhofgeländes anzustreben, die Tiefgarage als Quartiersgarage zu nutzen.
  • Neue Stadtquartiere werden möglichst autofrei geplant (z. T. mit Quartiersgaragen am Rand).
  • Zur besseren Leitung von Kfz-Verkehrsströmen wollen wir ein optimiertes Verkehrsleitsystem einführen: Wir brauchen mehr Kreisverkehre, um den Stau an Ampeln zu reduzieren, und wir müssen dafür sorgen, dass Autofahrerı⃰nnen auf der Suche nach einem Parkplatz nicht kilometerweit in der Stadt herumfahren müssen.
  • Die Situation rund um die Haltestelle Brühl Nord muss aufgrund der langen Schranken-Schließzeiten der Stadtbahn neu geordnet werden. Die Kaiserstraße muss zwischen Römerstraße und Kölnstraße weiter verkehrsberuhigt werden. Damit sollen vor allem das Zufußgehen und Radfahren attraktiver und sicherer werden.
  • Die Grenzwerte für Luftverschmutzung und Lärmemissionen müssen eingehalten werden.
  • Bei der Elektromobilität werden wir die Ladeinfrastruktur unter der Maßgabe der Kompatibilität (Interoperabilität) mit bestehenden Ladeangeboten/-Anbietern und unter Beachtung geringstmöglichen Flächenverbrauchs ausbauen und zudem gewerbliche Elektromobilität fördern.
  • Die Bereitstellung von Wasserstoff-Tankstellen wird u. a. im Rahmen der zukünftigen Erweiterung der Stadtbusflotte und zur eventuellen Nutzung durch Privatpersonen unterstützt.

LKW-Verkehr

Ein besonders wichtiges Ziel ist die Entlastung der Innenstadt vom LKW-Verkehr. Durchgangsverkehr von LKWs belastet die Anwohnerı⃰nnen, gefährdet andere Verkehrsteilnehmerı⃰nnen und verpestet unsere Luft. Hier muss ein Verbot für LKWs her, die nicht als Ziel oder Ursprung die Innenstadt haben. Wir werden uns dazu auch nachdrücklich gegenüber dem Land NRW dafür einsetzen, dass zum Beispiel die Theodor-Heuss-Straße, Kaiserstraße oder andere Ausfallstraßen im Brühler Stadtgebiet keine Vorrangstraßen mehr für den LKW-Verkehr sind.

Eine Beteiligung der Stadt an dem Landesprojekt »Effiziente und stadtverträgliche LKW-Navigation« (SEVAS), das die Möglichkeit bietet, durch ein digitales Routensystem stadtverträgliche Routen für den LKW-Verkehr festzulegen, wird weiterhin aktiv unterstützt.

Zielgruppenspezifisches Mobilitätsmanagement

Um die bisherigen Mobilitätsroutinen zu durchbrechen und neue zu schaffen, ist die Einführung eines zielgruppenspezifischen und standortbezogenen Mobilitätsmanagements notwendig.

  • Die Koordination und Umsetzung des zielgruppenspezifischen Mobilitätsmanagements ist in das Aufgabenportfolio der Stadtverwaltung und der Stadtwerke zu integrieren.
  • Dazu gehören das betriebliche und schulische Mobilitätsmanagement (hier in Kombination mit der Kinderunfallkommission), die Mobilitätsberatung in Wohngebieten (z. B. mit der Gebausie ein Miete­rı⃰n­nen­ticket einführen) und die Einführung eines Neubürgerı⃰nnenmarketings.
  • Alle stadteigenen Einrichtungen gehen als Vorbild voran und unterziehen sich einer betrieblichen Mobilitätsberatung. Mit betrieblichem Mobilitätsmanagement werden wir die Wirtschaft stärken.

Stadtexperimente durchführen

Die Vorteile der Mobilitätswende müssen erlebbar werden, damit Bevölkerung und Einzelhandel diese unterstützen. Die Verwaltung wird beauftragt, dazu ein Konzept für »Stadtexperimente« (Parking Days, temporäre Straßensperrungen, Mobilitätstage) zu erarbeiten und umzusetzen. Die Verwaltung und die Stadtwerke werden beauftragt, jährlich an der europäischen Woche der Mobilität (16.–22. September) teilzunehmen.

Kosten im Verkehr transparent machen

Maßnahmen zur Finanzierung des Umweltverbundes sind kostengünstiger als die Finanzierung des bisherigen Verkehrssystems. Es ist Aufgabe der Stadtverwaltung, die Ausgaben im städtischen Haushalt für die unterschiedlichen Verkehrsmittel jährlich darzustellen.

Die Finanzierung einer zukunftsfähigen Mobilität benötigt weitere Finanzierungsinstrumente wie Parkraumgebühren, Ablösebeiträge aus Stellplatzsatzungen und Drittfinanzierung. Hierzu werden wir die Erstellung eines Finanzierungskonzeptes in Auftrag geben.

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